Florian Nöthe
Florian Nöthe beschäftigt sich in seiner künstlerischen Praxis mit der Inszenierung vorgefundener Objekte. Sein Fokus liegt dabei auf der Entwicklung von Präsentationsformen, die es ermöglichen, die Objekte in ihrem ursprünglichen Zustand möglichst unverändert zu erhalten. Die verwendeten Objekte sind sowohl gefundene als auch gekaufte Gegenstände und tragen oft Spuren der Abnutzung, die als sichtbare Zeichen gesellschaftlicher Einflüsse gelesen werden können. Die Objekte sollen Erinnerungen und Gefühle wachrufen und eine emotionale Verbindung zu individuellen oder kollektiven Erlebnissen herstellen.
Das anfängliche Interesse an gesammelten Objekten hat sich im Laufe der
Jahre zu einem wesentlichen Bestandteil seiner künstlerischen Praxis
entwickelt. So entstand eine wachsende und sich verändernde Sammlung,
die als eine Artdreidimensionales Skizzenbuch verstanden werden kann, in
dem Beobachtungen und Erinnerungen nicht mit Stift und Papier, sondern
durch das Sammeln und Verarbeiten von Objekten festgehalten werden.
Durch die Ausstellung der Sammlung legt Nöthe die kulturellen Mechanismen
verschiedener Präsentationsformen offen und hinterfragt gesellschaftliche
Vorstellungen und Erwartungen, die an bestimmte Modi der Zurschaustellung
geknüpft sind.Was bedeutet es, einen alltäglichen oder weggeworfenen
Gegenstand durch spezifische Präsentationsformen zu nobilitieren? Welche
Bezüge können zwischen den Fundstücken hergestellt werden und welche
Erzählungen lassen sich durch die bewusste Platzierung der Objekte
generieren?
Nöthes künstlerische Praxis offenbart eine tiefgreifende Auseinandersetzung
mit der Bedeutung und Wirkung von Objekten. Indem er Fundstücke durch
sorgfältige Präsentationsformen in neue Kontexte stellt, schafft er Raum für
Reflexion und Interaktion. Seine Arbeit hinterfragt nicht nur die Mechanismen
und Werte, die mit Ausstellungskonventionen verbunden sind, sondern lädt
auch dazu ein, den Objekten und ihren Geschichten mit neuer
Aufmerksamkeit zu begegnen. So wird seine Sammlung zu einem lebendigen
Archiv, das persönliche und kollektive Erinnerungen bewahrt und zugleich die
Frage nach der gesellschaftlichen Wertschätzung des Alltäglichen aufwirft.
